An Impfstoffe werden höchste Ansprüche gestellt: Für jeden neuen Impfstoff muss die Wirksamkeit im Vergleich zur nicht geimpften Bevölkerung im Rahmen von klinischen Studien belegt werden.
Da Impfstoffe zur Vorbeugung von Erkrankungen Gesunden verabreicht werden, unterscheiden sich Impfstoffe von anderen pharmazeutischen Produkten. Deshalb wird während der gesamten Entwicklung im Rahmen von klinischen Studien eine große Zahl an Probanden aufgenommen. Eine klinische Prüfung hat das Ziel, Erkenntnisse über die Anwendung eines Impfstoffs am Menschen zu gewinnen. Im Allgemeinen setzt sie sich aus vier Phasen zusammen:
Klinische Studien
- Phase I: Phase I dient der Untersuchung der Sicherheit und Verträglichkeit des Impfstoffs an einer kleinen Gruppe gesunder Freiwilliger (< 100). Ein weiteres Ziel ist es, eine gut verträgliche Dosis des Impfstoffs zu finden.
- Phase II: In Phase II werden weitere Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffs bei Probanden der Zielindikation (mehrere Hundert) gesammelt.
- Phase III: In klinischen Prüfungen der Phase III wird die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Impfstoffs für die Zielindikation an größeren Probandenpopulationen (mehrere Tausend Probanden) geprüft.
- Phase IV: Phase IV bietet die Möglichkeit, spezielle Fragestellungen für bereits zugelassene Impfstoffe zu beantworten - wie z. B. Studien zur Verträglichkeit an großen Populationen.
Mit jedem Schritt also, dem der Impfstoff seiner Zulassung näher kommt, wird seine Wirksamkeit, Sicherheit und die gute Verträglichkeit wiederholt überprüft. Nicht verwunderlich, dass die Entwicklungskosten so hoch sind: Zwischen 300 und 800 Millionen Euro investiert ein Hersteller in Forschung und Entwicklung für einen Impfstoff.
Zulassung durch umfassendes nationales und internationales Prüfverfahren
Weltweit unterliegt die Herstellung von Impfstoffen strengen Vorschriften. In Deutschland sind diese durch das Arzneimittelgesetz (AMG) geregelt. Die darin festgelegte Herstellung, Prüfung, Zulassung und Freigabe der sogenannten Chargen (kontinuierlich produzierte Teilbestände) werden vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) als unabhängiger Behörde durchgeführt.
Die Zulassung von Impfstoffen erfolgt aber längst nicht mehr rein national: Die Europäische Agentur für die Beurteilung von Arzneimitteln (EMEA) führt Verfahren für Arzneimittelzulassungen durch, die für alle EU-Mitgliedsstaaten gelten. Für die Zulassung durch die zuständigen Behörden müssen die Produktionsunternehmen umfangreiche Daten zur Herstellung und Qualität sowie Ergebnisse klinischer Prüfungen und ggf. Daten zu Umweltrisiken vorlegen. Dabei stellt die klinische Prüfung einen der wichtigsten Bestandteile auf dem Weg zur Zulassung dar.
Produktion von Impfstoffen
Die Impfstoffproduktion ist aufwändig und erfordert jahrelange Erfahrung und Sachkenntnis. Verglichen mit traditionellen pharmazeutischen Produkten wie zum Beispiel Tabletten, benötigen Impfstoffe einen längeren Produktionszyklus von 6 bis 22 Monaten. Dabei unterliegen sie extrem strengen Sicherheits- und Qualitätskriterien: Etwa 70 Prozent des gesamten Herstellungsprozesses macht die Qualitätskontrolle aus. Ziel ist es auch, der natürlichen Variabilität von biologischen Produkten zum Trotz, ein standardisiertes Produkt zu erhalten.
Deshalb finden zwischen den einzelnen Produktionsschritten (siehe Graphik) permanent Tests statt u. a. auf Reinheit, Sterilität und Wirksamkeit der Impfstoffe. Schließlich erfolgt die Chargenfreigabe (eine Charge umfasst im Allgemeinen 100 000 Impfdosen) durch den Hersteller und abschließend durch die dafür zuständige Behörde, für Deutschland das PEI in Langen. Ohne diese Freigabe kann keine Dosis das Lager des Herstellers bzw. Vertreibers verlassen.
Auch nach der Produktion unterliegen die Produkte kontrollierten Vorgaben, wie beispielsweise der Einhaltung der Kühlkette. So müssen Impfstoffe bei Temperaturen zwischen +2°C und +8°C gelagert und transportiert werden. Sie werden in hitze- und frostbeständigen Verpackungen ausgeliefert.