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Freitag, 30. Juli 2010
 
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Sicherheit hat bei Impfstoffen höchste Priorität

Forschung und Entwicklung, behördliche Zulassungen sowie die Nachbeobachtung der geimpften Bevölkerung stellen wichtige Säulen für die Wirksamkeit, Sicherheit und gute Verträglichkeit dar – also den medizinischen Erfolg eines Impfstoffs. Dadurch ist garantiert, dass Impfstoffe zu den sichersten Arzneimitteln gehören.  

 

Entwicklung von Impfstoffen – Jahrelange Forschung und klinische Studien 
Von der Idee bis zum einsatzfähigen Impfstoff vergehen zwischen acht und zwölf Jahren an Entwicklungszeit. Während dieses Prozesses (vgl. Graphik), der sich aus einem komplexen System verschiedener, ineinander greifender Aktivitäten zusammensetzt, hat Sicherheit höchste Priorität. Das gilt während der Forschung im Labor, während der Entwicklungsphase im Rahmen von klinischen Studien, wie auch nach der Zulassung in der breiten Anwendung beim Menschen.

 

An Impfstoffe werden höchste Ansprüche gestellt: Für jeden neuen Impfstoff muss die Wirksamkeit im Vergleich zur nicht geimpften Bevölkerung im Rahmen von klinischen Studien belegt werden.

Da Impfstoffe zur Vorbeugung von Erkrankungen Gesunden verabreicht werden, unterscheiden sich Impfstoffe von anderen pharmazeutischen Produkten. Deshalb wird während der gesamten Entwicklung im Rahmen von klinischen Studien eine große Zahl an Probanden aufgenommen. Eine klinische Prüfung hat das Ziel, Erkenntnisse über die Anwendung eines Impfstoffs am Menschen zu gewinnen. Im Allgemeinen setzt sie sich aus vier Phasen zusammen:

 

Klinische Studien

  • Phase I: Phase I dient der Untersuchung der Sicherheit und Verträglichkeit des Impfstoffs an einer kleinen Gruppe gesunder Freiwilliger (< 100). Ein weiteres Ziel ist es, eine gut verträgliche Dosis des Impfstoffs zu finden.
  • Phase II: In Phase II werden weitere Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffs bei Probanden der Zielindikation (mehrere Hundert) gesammelt.
  • Phase III: In klinischen Prüfungen der Phase III wird die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Impfstoffs für die Zielindikation an größeren Probandenpopulationen (mehrere Tausend Probanden) geprüft.
  • Phase IV: Phase IV bietet die Möglichkeit, spezielle Fragestellungen für bereits zugelassene Impfstoffe zu beantworten - wie z. B. Studien zur Verträglichkeit an großen Populationen.

 

Mit jedem Schritt also, dem der Impfstoff seiner Zulassung näher kommt, wird seine Wirksamkeit, Sicherheit und die gute Verträglichkeit wiederholt überprüft. Nicht verwunderlich, dass die Entwicklungskosten so hoch sind: Zwischen 300 und 800 Millionen Euro investiert ein Hersteller in Forschung und Entwicklung für einen Impfstoff.

 

Zulassung durch umfassendes nationales und internationales Prüfverfahren
Weltweit unterliegt die Herstellung von Impfstoffen strengen Vorschriften. In Deutschland sind diese durch das Arzneimittelgesetz (AMG) geregelt. Die darin festgelegte Herstellung, Prüfung, Zulassung und Freigabe der sogenannten Chargen (kontinuierlich produzierte Teilbestände) werden vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) als unabhängiger Behörde durchgeführt. 

 

Die Zulassung von Impfstoffen erfolgt aber längst nicht mehr rein national: Die Europäische Agentur für die Beurteilung von Arzneimitteln (EMEA) führt Verfahren für Arzneimittelzulassungen durch, die für alle EU-Mitgliedsstaaten gelten. Für die Zulassung durch die zuständigen Behörden müssen die Produktionsunternehmen umfangreiche Daten zur Herstellung und Qualität sowie Ergebnisse klinischer Prüfungen und ggf. Daten zu Umweltrisiken vorlegen. Dabei stellt die klinische Prüfung einen der wichtigsten Bestandteile auf dem Weg zur Zulassung dar.

 

Produktion von Impfstoffen
Die Impfstoffproduktion ist aufwändig und erfordert jahrelange Erfahrung und Sachkenntnis. Verglichen mit traditionellen pharmazeutischen Produkten wie zum Beispiel Tabletten, benötigen Impfstoffe einen längeren Produktionszyklus von 6 bis 22 Monaten. Dabei unterliegen sie extrem strengen Sicherheits- und Qualitätskriterien: Etwa 70 Prozent des gesamten Herstellungsprozesses macht die Qualitätskontrolle aus. Ziel ist es auch, der natürlichen Variabilität von biologischen Produkten zum Trotz, ein standardisiertes Produkt zu erhalten.

 

Deshalb finden zwischen den einzelnen Produktionsschritten (siehe Graphik) permanent Tests statt u. a. auf Reinheit, Sterilität und Wirksamkeit der Impfstoffe. Schließlich erfolgt die Chargenfreigabe (eine Charge umfasst im Allgemeinen 100 000 Impfdosen) durch den Hersteller und abschließend durch die dafür zuständige Behörde, für Deutschland das PEI in Langen. Ohne diese Freigabe kann keine Dosis das Lager des Herstellers bzw. Vertreibers verlassen. 

 

Auch nach der Produktion unterliegen die Produkte kontrollierten Vorgaben, wie beispielsweise der Einhaltung der Kühlkette. So müssen Impfstoffe bei Temperaturen zwischen +2°C und +8°C gelagert und transportiert werden. Sie werden in hitze- und frostbeständigen Verpackungen ausgeliefert.

 

Kontinuierliche Überwachung nach der Zulassung
Nach der Zulassung wird der Impfstoff weiter von Hersteller und Behörden ständig überwacht. Trotz sorgfältiger Prüfung können sehr selten Nebenwirkungen und Langzeiteffekte oft erst nach der Zulassung erkannt werden. Über Nebenwirkungen oder Zwischenfälle bei der Anwendung informiert der Hersteller pflichtgemäß die Behörden. In dieses Melde- und Warnsystem werden in besonderem Maß die Ärzte einbezogen: Jeder Verdacht einer über das übliche Maß hinausgehenden Impfreaktion ist vom behandelnden Arzt dem zuständigen Gesundheitsamt zu melden, welches diese Information an das PEI weiterleitet.

 

Fazit
Neben den bereits etablierten Impfstoffen wurden in der letzten Zeit zahlreiche neue Impfstoffe zugelassen und es befinden sich weitere Impfstoffe in der Phase der klinischen Prüfung, die in unterschiedlichen und zum Teil neuartigen Produktionsverfahren hergestellt werden. Alle diese Impfstoffe haben nicht nur ihre Wirksamkeit, sondern auch ihre Sicherheit zu beweisen, und das nicht nur vor, sondern auch nach der Zulassung. Erst das Zusammenspiel von Forschung und Entwicklung, behördlichen Zulassungen und der kontinuierlichen Prüfung und Überwachung der Impfstoffe gewährleistet, dass diese wirksam, gut verträglich und sicher sind.

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